Unsere Geschichte als Gruppe in den Vierlanden
Aktuell besteht die Gruppe aus sechs Personen, die das Wohnprojekt gemeinsam mit Leben füllen. Wir wohnen bereits seit langem zusammen in den Vierlanden - zunächst in Neuengamme in der Nähe der Reitbrooker Mühle. Dort bestand die generationenübergreifende Gruppe aus 12 Personen – 10 Erwachsenen und 2 Kindern. Das Haus wurde 2019 abgerissen und durch einen Neubau mit mehreren kleinen Wohnungen ersetzt. Bis Anfang 2023 haben wir übergangsweise in einem Mietshaus mit zwei Wohnungen in Kirchwerder gewohnt und von hier aus nach einer dauerhaften Bleibe gesucht. Konkret ein großes, gerne altes Haus in Vierlanden, in dem 10-15 Personen unterkommen können und das darüber hinaus genügend Platz für unsere vielfältigen Ideen für nachbarschaftliche Projekte bietet.
Die Mitglieder der Gruppe
Die derzeitige Kerngruppe besteht aus sechs Personen und ist generationenübergreifend, interkulturell und divers zusammengesetzt im Hinblick auf Lebensentwürfe und Einkommen. Die Altersspanne reicht von 39 bis 65 Jahren, wir sind zwei Paare und zwei alleinstehende Personen.
Inga Röwer ist Biologin und promovierte Geowissenschaftlerin, seit 2018 Mitbegründerin und Gärtnerin im Kollektiv der SoLawi Vierlande: Sie treibt das Ziel, mit Techniken biologischer Landwirtschaft unsere Bodennutzung bei der Produktion von Lebensmitteln zukunftsfähig zu machen. Sie begeistert sich für gemeinschaftlich entwickelte Projekte und solidarische Lebensformen jenseits der Kleinfamilie.
Mia Weselmann ist Pädagogin und Historikerin. Seit 15 Jahren ist sie die Leiterin Abteilung Projekte in der BürgerStiftung Hamburg. Ihr umfassendes berufliches Wissen im Bereich der Entwicklung, Finanzierung und Umsetzung von Ehrenamts-Projekten und sozialen Projekten für Kinder, Jugendliche und benachteiligte Zielgruppen möchte sie im Wohnprojekt auch privat zur Anwendung bringen. Als Studentin hat sie viele Jahre lang Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche geleitet und begeistert sich für den Ansatz der Alltagsbildung.
Lelia Pérez ist Englischlehrerin im Ruhestand, chilenische Menschenrechtsaktivistin und Kunsthandwerkerin (Mosaik, Perlenstickerei). Sie hat das große Mosaik (siehe Foto oben) mit Dove-Elbe und Reitbrooker Mühle gestaltet und produziert in ihrer mobilen Werkstatt große und kleine Kunstwerke aus Perlen, Wolle und bunten Fliesen. Als Mitglied in einer Latina-Frauengruppe ist sie in migrantische Communities der Stadt eingebunden, setzt sich gegen Gewalt gegen Frauen ein und engagiert sich zudem als Mentorin für eine geflüchtete Afrikanerin.
Julie Schmiedeberg arbeitete hauptberuflich als Musikerin, Musiklehrerin und - produzentin und war mit Gitarre oder Schlagzeug auf Bühnen in Norddeutschland zu hören. In einem ihrer Videoclips (zu sehen auf www.julieguitar.de) spielt sie Gitarre auf ihrem SUP-Board auf der Dove-Elbe. Seit der Corona-Krise arbeitet sie als Online-Producerin bei einer großen Wochenzeitung. Sie freut sich darauf, die Alte Schule Seefeld mit musikalischen Veranstaltungen, Workshops und Jam-Sessions zu bereichern.
Philip Gaedke arbeitet selbstständig als Designer und betreibt einen Online-Shop für Tapetendruck. Außerdem hat er vielseitige Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt, bewirtet mit seinem Catering „Klütjenfelder Hafengrill“ größere Gruppen und kocht am liebsten draußen auf dem Feuer.
Er freut sich darauf, die Außenbereiche der Seefelder Schule um eine Freiluftküche und Gartenmöbel zu ergänzen, einen Kräutergarten anzulegen, den Holzbackofen wieder in Betrieb zu nehmen und den Ort gemeinsam mit NachbarInnen und Gästen mit neuem Leben zu füllen.
Nele Gülck ist freie Fotografin, war viel in Südosteuropa unterwegs und hat ihre Projekte in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Außerdem arbeitet sie als Bildredakteurin für ein großes Umweltmagazin. Sie ist Genossin der Fux eG und der Herberge Inzmühlen eG und engagiert sich ehrenamtlich in der Frappant Galerie.
Die Geschichte der Dorfschule will sie gerne in Bildern aufarbeiten und das Toilettenhäuschen der ehemaligen Schule wieder mit Leben füllen: Das Depot der SoLawi will sie um eine Lebensmittelkooperative und eine Draußenküche ergänzen.
Wen wir noch suchen
Wir würden gerne auf eine Größe von 10-15 erwachsenen Personen wachsen. Gerne würden wir auch eine Familie mit Kindern in das Wohnprojekt integrieren. Ansonsten sind wir offen für Einzelpersonen und Paare, Menschen aus der Region, genauso wie Menschen mit Wurzeln in anderen Ländern, Menschen jeden Alters, Frauen, Männer, LGBTI wie Heter@s.
Im Sinne der Vielfalt der Gruppe freuen wir uns besonders über Menschen, die Interessen und Fähigkeiten mitbringen, die in der Gruppe noch nicht vertreten sind.
Unser Bezug zu den Vierlanden
Von den Vierlanden begeistert
Die Vier- und Marschlande sehen wir langfristig als unser Zuhause – uns begeistert diese besondere Kulturlandschaft mit ihrem Neben- und Miteinander von landwirtschaftlicher Nutzung, Wohnen, Naturschutz, grüner Naherholung und althergebrachten dörflichen Gemeinschaftsstrukturen. Das ist in Hamburg einzigartig und wir wollen einen Beitrag zum Erhalt dieser Kulturlandschaft leisten.
In Vierlanden zu Hause und gut vernetzt
Da wir hier bereits seit langem wohnen, sind wir in der Nachbarschaft sehr gut eingebunden und vernetzt – insbesondere durch die Mitgliedschaft in der SoLawi Vierlande, sowie über die „Vierländer Wanderkneipe“, ein informelles Netzwerk mehrerer Wohngemeinschaften in den Vier- und Marschlanden.
Der Vierländer Natur verbunden
Wir sind Draußen-Menschen und gerne in der Natur unterwegs – zu Fuß, auf dem Fahrrad und ganz besonders auf dem Wasser. Allesamt begeisterte WassersportlerInnen, schippern wir im Kajak oder auf dem SUP-Board über Dove- und Gose-Elbe und die Tatenberger Bucht. Als passionierte WinterbaderInnen scheuen wir auch niedrigere Temperaturen nicht (Tipp: ideal dafür ist der Strand am „See hinterm Horn“ ☺).
Unser Selbstverständnis
Unser Zusammenleben ist begründet auf die folgenden Leitsätze:
Gemeinschaft mit Raum für Rückzug statt Vereinzelung
Unser Zusammenleben verbindet den Spaß an Gemeinschaftsaktionen mit der Möglichkeit für privaten Rückzug. Raum für Miteinander und Raum für Rückzug miteinander in Einklang zu bringen, ist unserer Erfahrung nach das entscheidende Rezept dafür, dass das Leben in Gemeinschaft gelingen kann. Das Zusammenwohnen in einer großen Wohngemeinschaft sehen wir als bewusst gewählte Alternative zur Vereinzelung in Ein-Personen-Haushalten oder Kleinfamilienstrukturen, welche Hamburg als Großstadt prägen.
Das generationenübergreifende Wohnen sehen wir als zukunftsweisendes Modell, denn es macht möglich, dass auch ältere und alleinstehende Menschen sozial eingebunden leben.
Vielfalt leben heißt Kompromisse finden
Wir stellen uns bewusst der Reibung und den Diskussionen, die sich durch die unterschiedlichen Sozialisationen, biographischen Hintergründe, Interessen und Überzeugungen ergeben. Wir betrachten die Begegnung mit den Lebenswelten anderer als Möglichkeit zu lernen und persönlich zu wachsen. Wir suchen diese Begegnung in respektvoller, wohlwollender, zugewandter Weise. Die Gruppe betrachtet die Organisation des Zusammenlebens und die demokratischen Entscheidungsfindungen, die damit verbunden sind, als Übungsfeld und Modell für auch gesamtgesellschaftlich notwendige Aushandlungsprozesse - wie z.B. die aktuellen Diskurse zum Umgang mit Ressourcen, Konsumismus, Verteilungs- und Chancengerechtigkeit sowie persönlicher Allokation von Zeit, Geld und Energie.
Vielfalt zu akzeptieren heißt für uns auch, vielfältige Lebensweisen in der Gruppe zuzulassen und miteinander in Einklang zu bringen: Regionales, biologisches Gemüse mit der Sehnsucht nach einer Fertigpizza. Vegane oder vegetarische Lebensweise mit dem bewussten Genuss von Fleisch. Ein Leben als Single mit dem Leben in Gemeinschaft mit Familien und Paaren, die einen eigenen Rückzugsraum benötigen.
Wir stellen uns gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegen, und wollen Migration, Formen nicht traditionellen Zusammenlebens, etc. einladend und vorurteilsfrei gegenüber stehen.
Gemeinsam und solidarisch wirtschaften
Diese Haltung findet zuallererst Ausdruck in unserer Kooperation mit Projekten mit Mehrwert für das Gemeinwesen sowie ökologischen Zielsetzungen. So sollen unsere Mietzahlungen einen Beitrag zur dauerhaften Absicherung der „Jugendbauhütte Hamburg“ leisten, und wir laden die lokale SoLawi Vierlande ein, eines der Gemüsedepots in unserem Haus unterzubringen und unseren Veranstaltungsraum für Arbeitsgruppentreffen zu nutzen.
Ein weiterer Ausdruck der Gemeinschaftlichkeit ist die gemeinsame Haushaltskasse, die für die Einzelnen Handlungsspielräume erweitert sowie Vielfalt und ökologisches Haushalten befördert. Die Gruppe stellt sich als Zukunftsaufgabe, ökonomische Unterschiede innerhalb der Gruppe zu nivellieren. So ist z.B. solidarisch mitfinanzierter Wohnraum für Geflüchtete im Gespräch. Zudem gibt es die Idee, einen Wohnraum für eine/n FÖJler/in zu schaffen, die in der SoLawi mitarbeiten könnte und die ökologischen Projekte des Fördervereins betreut.
Ressourcen schonen
Wir sehen uns als ein Experimentierfeld für nachhaltige, ökologische Lebensweise. Dies findet Ausdruck in der Art der Hausnutzung, unseren Vorstellungen zum Umbau des Gebäudes wie auch in der geplanten engen Kooperation mit der SoLawi Vierlande.
Unser Ziel ist es, bei der Sanierung bzw. dem Umbau des Hauses ökologische Standards zu berücksichtigen, mit ökologischen Baustoffen zu arbeiten und ein nachhaltiges Energie- und Wasserkonzept zu implementieren.
Einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung leistet zudem das Modell des Zusammenwohnens in einer großen Gruppe, die einen großen Teil des Hauses gemeinschaftlich nutzt – mit einer Gemeinschaftsküche, einem gemeinsamen Ess- und Wohnzimmer und einem Co-Working-Space für MitbewohnerInnen im Homeoffice. Der Flächenverbrauch pro Person für das Wohnen wird im Projekt dadurch deutlich niedriger liegen als der Durchschnitt in Deutschland.
Aber auch die Nutzung eines alten Hauses sehen wir als einen Beitrag zu Ressourcenschonung: Der Erhalt eines alten Hauses statt Abriss und Neubau verhindert die Freisetzung der im Haus gebundenen „grauen Energie“.